Heute ist mir auf der Baustelle mein theologisches Wissen einmal mehr hilfreich gewesen und das nicht nur beim Quizduell. (obwohl ich dort immer wieder schmerzlich erfahre, dass ich bei den Fragen über die griechische Mythologie abloose, schande, schande, schande. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr, aber wahrscheinlich auch nicht.)
Heute ist uns jemand begegnet, der bis oben prall gefüllt war mit Heiligem Geist, an sich eine erfreuliche Tatsache. Er war so sehr damit erfüllt, dass er uns an dieser Fülle teilhaben wollte, wäre ja auch ganz nett, vorausgesetzt wir hätten dieses Geschenk in dem Masse annehmen wollen, wie uns der Andere damit übergoss. Meine Zurückhaltung seine Gaben zu estimieren und in Anspruch zu nehmen und meine Offenheit anderen Religionen gegenüber, veranlassten den Herrn in mir gleich den Satan zu sehen, womit ich ohne weiteres leben kann. Dabei sehe ich hinter der ganzen Geschichte ein riesiges Missverständnis, das sich immer wieder einstellt, wenn man aufhört selber zu denken, kritisch zu fragen und alles, was einem gesagt, gedruckt oder geflimmert wird als bare Münze zu nehmen.
Glauben, auf hebräisch, aman, heisst wissen und wissen hat viel mit denken, selber denken zu tun, etwas, das leider nicht allen Leuten gegeben zu sein scheint, auch mir nicht immer. Ich habe gelernt, die biblische, aber auch historische Texte kritisch zu hinterfragen, aber wie sieht es mit den Plänen auf der Baustelle aus, müsste ich für sie nicht auch ähnliche Kriterien anwenden?
In jeder Wohnung auf unserer Baustelle steht auf den Plänen der Begriff "Schaltzimmer" Was um alles in der Welt ist ein Schaltzimmer? habe ich mich immer wieder gefragt. Hat es etwas mit einer Elektro- oder Sanitärverteilung zu tun? oder geht es um die Lage des Zimmers innerhalb der Wohnung? Oder hat es am Ende etwas mit der Statik zu tun? alles weit gefehlt! Das Schaltzimmer auf unseren Plänen hat etwas mit dem Gleichnis vom Kamel, das durchs Nadelör geht zu tun. In Mk 10,25 ist zu lesen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. Ein lustiges Bild, das Kamel, das durch das Nadelör geht. Irgendwie geht es aber nicht auf. In anderen Lesarten steht statt κάμηλος was eben "Kamel" heisst, κάμιλος was "Ankertau" heisst. Das η wurde möglicherweise im Koine- Griechisch ähnlich ausgesprochen wie das ι was zu einem Abschreibefehler geführt haben könnte. Also ursprünglich könnte unser Gleichnis heissen: Eher geht ein Ankertau durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. Das ist logisch, wenn auch nicht mehr so lustig. Wenn ich den Text nun so hinterfrage, mit anderen Lesarten spiele, mit verscheidenen Übersetzungsvarianten weitere Sinnmöglichkeiten erschliesse, wird der Bibeltext menschlich, ist er ja auch, aber das wird dann bewusster. Mit dem Bewusstsein, dass biblische Texte menschlich sind, wird es kaum möglich sein, sie jemandem als absolute Wahrheit überzustülpen. Biblische Texte wollen befragt, hinterfragt, kritisiert, abgelehnt, geglaubt, geliebt, gehasst - kurz gelebt werden. Sie müssen immer wieder neu interpretiert und entsprechend den Lebensumständen ausgelegt werden. Schliesslich wollen biblische Texte von jeglicher Art Fundamentalismus befreit werden, der sie ins Korsett einer einzigen ihm genehmen Lesart stecken will.
Und was ist jetzt mit unserem Schaltzimmer? Tja, das ist eine ähnliche Geschichte wie mit dem Kamel und dem Nadelöhr: Wie es aussieht hat irgendwer irgendwann die einzelnen Zimmer des Projekts beschriftet. Vielleicht hat die Spracherkennung beim Eingeben ein Wort vorgeschlagen der Jemand hat Schla gelesen, statt Schal und schon hat der Jemand Enter gedrückt, und mit Copy Paste wanderte das Schaltzimmer in jeden Plan, jeder Wohnung unserer Überbauung, aber eigentlich müsste es Schlafzimmer heissen.
Was lernen wir? Wir können nicht genug hinterfragen, wir können nicht genug selber denken, wir können nicht genug, das was uns - egal auf welchem Kanal - vorgesetzt wird prüfen, denn Glauben, Aman, heisst wissen glauben kann daher nur, wer selbständig denkt.
Montag, 30. November 2015
Freitag, 27. November 2015
Das Werk einer Woche, sehen Sie selber
"Wugge isch vergange, wie rouge a Baggeli Sigarette" Nichts neues. Doch was habe ich eigentlich diese Woche alles gemacht? Um das herauszufinden brauche ich nur über die Baustelle zu gehen. Das habe ich heute Abend gemacht, leider sind die Bilder zum Teil etwas schlecht, meine Handykamera ist nicht die beste, dafür ist sie die einzige, die ich habe:
Montag war einlegen, eigentlich nur am Morgen, denn am Nachmittag hatten wir frei, weil die Berner ihre Stadt mit diesen stinkenden Knollen verpesten mussten, wie heissen die Dinger nun schon gleich? Ach ja Zwiebeln.
Liebe Gemeinde, liebe Nation, ganz Europa, liebe Welt, seht, was ich diese Woche alles geschaffen habe:
Finden Sie nicht auch ich hätte bei dieser Leistung jetzt mein Wochenende redlich verdient? Rhetorische Frage klar, drum lesen wir uns am Montag wieder.
Ihr electro-pastor.









Montag war einlegen, eigentlich nur am Morgen, denn am Nachmittag hatten wir frei, weil die Berner ihre Stadt mit diesen stinkenden Knollen verpesten mussten, wie heissen die Dinger nun schon gleich? Ach ja Zwiebeln.
Liebe Gemeinde, liebe Nation, ganz Europa, liebe Welt, seht, was ich diese Woche alles geschaffen habe:
Finden Sie nicht auch ich hätte bei dieser Leistung jetzt mein Wochenende redlich verdient? Rhetorische Frage klar, drum lesen wir uns am Montag wieder.Ihr electro-pastor.









Donnerstag, 26. November 2015
Bauen als Gottesdienst?
| Das Gerippe, die "Zeltstangen" |
| Die Wände, die "Zeltplanen" noch halb in der Verpackung |
Im Psalm 61, 5 lesen wir: Lass mich Gast sein in deinem Zelt auf ewig, Zuflucht suchen im Schutz deiner Flügel. Geborgenheit finden wir nicht in irdischen, von Menschenhand gemachten Gebäuden. Diese sind Temporärbauten, ausgelegt für einige Generationen. Sie bieten uns nur einige Jahre Zuflucht und Schutz, entweder wir verlassen sie nach einiger Zeit oder die Bauten werden abgerissen, wie die Vorgängersiedlung unserer Neubauten, die übrigens weniger alt wurden, als die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen.
| Die Wände werden montiert, die "Plane" wird gespannt |
Was aber bleibt ist unsere Vergänglichkeit, was auch bleibt ist unsere Ernsthaftigkeit unser Leben und diese Welt zu gestalten um der Vergänglichkeit entgegen zu wirken und was bleibt ist das grosse Bedürfnis des Menschen nach Geborgenheit, Zuflucht und Schutz, Geborgenheit, Zuflucht und Schutz unter den Flügeln Gottes.
Mittwoch, 25. November 2015
Von der heiligen Einzugsschnur
Heute hat jemand nach mir gefragt, indem er sinngemäss sagte: "Wo ist der Heilige?" Diese Titulierung ehrt mich natürlich unglaublich, wenn sie vielleicht auch leicht übertrieben sein könnte.
Wir Reformierten tun uns ja eher schwer mit dem "Heiligen". Eigentlich kennen wir nichts Heiliges, ausser einzig und alleine die heilige Schrift des alten und neuen Testaments. Oder als Reformierte sind alle Menschen heilig, weil alle Menschen, egal, was sie auf dem Kerbholz haben, durch die Gnade Christi heilig und rein sind, immer wieder durch die Gnade heilig und rein werden.
Ich sehe im Begriff "Heilig" eher einen Prozess, denn einen Zustand, es ist der Prozess des Freiwerdens von Sünde. Als Reformierte kennen wir keine heiligen Gegenstände, Gegenstände sind für uns immer profan, irdisch, was auch für die Bibel als Buch gilt, nicht das Buch als Papierhaufen ist heilig, sondern dessen Inhalt, das Wort. Doch bei uns auf der Baustelle hat sich doch etwas Heiliges eingeschlichen. Ich habe dieses Heiligtum eingeführt oder wollen wir sagen, ich habe damit die Baustelle verseucht.
Die heilige Einzugsschnur!
Als ich auf die Baustelle kam, begegnete unser Chef der Einzugsschnur mit grösster Skepsis. Nach grosser Evangelisation diesbezüglich hat er mir einen Knäuel bestellt, und mir diesen mit den Worten überreicht "Hie hesch dini Schnuer, aber wenn de wieder vo dere Boustell geisch chunt die de mit" Ich weiss nicht, wie viele Knäuel dieser Schnur wir bis heute eingezogen haben, was ich weiss, sie wäre nicht mehr von unserer Baustelle wegzudenken - und es kommt mir fast so vor, als sei diese Schnur für meine Kollegen heilig geworden. Ich selber ziehe mittlerweile fast keine Einzugsschnüre mehr ein.
Dies ist ein Beispiel erfolgreicher Mission: Ich muss keine Einzugsschnüre mehr einziehen, es tun andere für mich. Ich muss niemanden mehr von deren Nutzen überzeugen, das ist geschehen. Meine Aufgabe ist vollbracht mit der Verkündigung der Guten Nachricht der heiligen Einzugsschnur, jetzt läuft diese gute Nachricht von alleine, wird ohne mein Zutun weiter gegeben. So ist es auch mit der Verkündigung des Evangeliums: Als Pfarrer gebe ich Impulse, so wie ich jetzt auf dem Bau nicht mehr selber in jedes Rohr eine Einzugsschnur einziehen muss, muss ich auch nicht alle Werte, die das Evangelium vertritt wirklich selber leben, das kann ich gar nicht, ich brauche nicht heilig zu sein. Das entlastet auch zu wissen, dass der Samen des Wortes im Menschen genügt, ich muss nicht alles selber machen, ich muss nicht perfekt sein, fehlerfrei sein, heilig sein. Denn heilig wird man einzig und allein durch die Gnade Gottes, immer wieder jeden Tag aufs neue. Und das gilt für alle Menschen gleichermassen.
| Einzugsschnur in ihrer natürlichen Umgebung: einem Multimediarohr, das zunächst Leerrohr bleibt. |
| Einzugsschnüre in der Steigzone führen bisweilen auch zu einem Durcheinander |
Die heilige Einzugsschnur!
Als ich auf die Baustelle kam, begegnete unser Chef der Einzugsschnur mit grösster Skepsis. Nach grosser Evangelisation diesbezüglich hat er mir einen Knäuel bestellt, und mir diesen mit den Worten überreicht "Hie hesch dini Schnuer, aber wenn de wieder vo dere Boustell geisch chunt die de mit" Ich weiss nicht, wie viele Knäuel dieser Schnur wir bis heute eingezogen haben, was ich weiss, sie wäre nicht mehr von unserer Baustelle wegzudenken - und es kommt mir fast so vor, als sei diese Schnur für meine Kollegen heilig geworden. Ich selber ziehe mittlerweile fast keine Einzugsschnüre mehr ein.
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| Ans Ende einer jeder anständigen Einzugsschnur gehört ein Zapfen, damit sie nicht abhauen kann. |
Dienstag, 24. November 2015
Mann o Mann!
Je länger ich als electro-pastor arbeite, desto klarer zeichnen sich die Unterschiede zum Pfarramt ab. Und hier haben wir schon der erste grössere Unterschied: Elektromonteur ist ein Beruf, den man einmal erlernt hat und beherrscht, die einen mehr, die anderen weniger. Wenn ich am Abend von der Baustelle nach Hause gehe, habe ich Feierabend, bin ich gewissermassen nicht mehr Elektromonteur. Dann steige ich in den Zug und treffe Menschen aus der Gemeinde, beginne ein Gespräch, dann bin ich voll und ganz Pfarrer. Pfarrer sein ist deshalb kein Beruf, es ist ein Amt. Ich habe das Amt inne, deshalb gibt es keinen Feierabend, keine Arbeitszeit, aber auch keine Überzeit. Das tönt jetzt anstrengend ist aber in Tat und Wahrheit eine grosse Ehre: Ich bekomme sehr viel von den Menschen geschenkt, das wohl grösste Geschenk, das mir die Menschen machen ist ihr Vertrauen. Dass mir nicht alles zuviel wird, dafür bin ich selber verantwortlich. Diese Abgrenzung gelingt mal mehr, mal weniger.
Worüber ich aber heute schreiben wollte, ist ein grosser Unterschied über den man heute - und schon gar nicht als Mann - fast nicht mehr schreiben kann, schreiben darf: Der Genderunterschied, der Unterschied der Geschlechter. Konkret: Das Arbeiten mit Männern ist entschieden anders als das Arbeiten mit Frauen. Eigentlich logisch, doch dennoch wenig bewusst. Innerhalb kirchlicher Kreise ist die Feminisierung des Gemeindelebens, trotz vereinzelter Männergruppen, nicht zu übersehen. (Pachmann (2011) Pfarrer sein, S. 175) Bevor ich auf der Baustelle arbeitete, war mir das nicht so bewusst. Doch der Unterschied in der Arbeitsweise ist eklatant. Was ich beobachte: Männer brauchen viel weniger Worte, gut das ist eine Binsenwahrheit. Arbeiten werden sehr direktiv vergeben, ebenso werden auch Aufträge erteilt, keine Diskussion, kein formales Bittibätti für die Seele. Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, wird dies ganz direkt und unverblümt gesagt. Eben so direkt und unverblümt setzt sich der Beschuldigte auch zur Wehr oder anerkennt unumwunden seine Schuld ein. Emotionen werden nicht offen gezeigt, auch das kommt schon in diesem Zusammenhang einer Plattitüde gleich. Wenn Männer traurig sind, reden sie oft nicht darüber. Viele sagen, was sie z.B. traurig macht, dann schweigen sie. Die Männer um den Trauernden sind einfach da, schweigen, machen mit dem Trauernden zusammen eine Arbeit oder gehen gemeinsam einen Weg, sie akzeptieren auch, wenn der Trauernde einfach alleine sein will. Ich denke für viele Männer hat der Begriff "Empathie" (Einfühlungsvermögen) eine ganz andere Bedeutung: Viele Männer fühlen sich verstanden, wenn sie das, was sie belastet einfach mal in wenigen Worten sagen können, aber nicht darüber detailliert sprechen müssen und auch die Erwartung nicht besteht dass sie darüber detailliert sprechen. Ich denke, Seelenstriptease ist kein urmännliches Verlangen. Gespräche über männliche Emotionen sind sehr oft Kurzgespräche. Männer zollen einander viel Anerkennung. Das Urteil: "Das hast du nicht schlecht gemacht" Meint eigentlich - natürlich stark vom Kontext abhängig: das hast du sehr gut gemacht. Wenn unter Männern kein Lob und keine Anerkennung kommt, ist alles in bester Ordnung, was ja an sich ein Kompliment ist. Viele Männer zeigen ihre Gefühlsschwankungen, die sie haben, nicht so offen. Viele haben sich eine Strategie zurecht gelegt, ausgeglichen zu wirken. Frauen sind da offener, viele zeigen ihre Gefühle offener. Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass Frauen insgesamt emotionaler sind als Männer, die männliche Emotionalität drückt sich bloss anders aus. Pachmann (S. 178) schreibt, männliche Themen seien vorwiegend handfester Natur: Aggression, Politik, Geld, Handwerk, Sexualität. Letzteres wird, obwohl in der Gesellschaft immer breiter diskutiert, gerade in religiösen Kreisen immer mehr auch tabuisiert.
Ich habe dank dieser electro-pastoren- Erfahrung viele Impulse zur Arbeit mit Männern erhalten. Ich muss diese nun gut bedenken und überlegen, was das für das kirchliche Leben bedeuten mag.
Worüber ich aber heute schreiben wollte, ist ein grosser Unterschied über den man heute - und schon gar nicht als Mann - fast nicht mehr schreiben kann, schreiben darf: Der Genderunterschied, der Unterschied der Geschlechter. Konkret: Das Arbeiten mit Männern ist entschieden anders als das Arbeiten mit Frauen. Eigentlich logisch, doch dennoch wenig bewusst. Innerhalb kirchlicher Kreise ist die Feminisierung des Gemeindelebens, trotz vereinzelter Männergruppen, nicht zu übersehen. (Pachmann (2011) Pfarrer sein, S. 175) Bevor ich auf der Baustelle arbeitete, war mir das nicht so bewusst. Doch der Unterschied in der Arbeitsweise ist eklatant. Was ich beobachte: Männer brauchen viel weniger Worte, gut das ist eine Binsenwahrheit. Arbeiten werden sehr direktiv vergeben, ebenso werden auch Aufträge erteilt, keine Diskussion, kein formales Bittibätti für die Seele. Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, wird dies ganz direkt und unverblümt gesagt. Eben so direkt und unverblümt setzt sich der Beschuldigte auch zur Wehr oder anerkennt unumwunden seine Schuld ein. Emotionen werden nicht offen gezeigt, auch das kommt schon in diesem Zusammenhang einer Plattitüde gleich. Wenn Männer traurig sind, reden sie oft nicht darüber. Viele sagen, was sie z.B. traurig macht, dann schweigen sie. Die Männer um den Trauernden sind einfach da, schweigen, machen mit dem Trauernden zusammen eine Arbeit oder gehen gemeinsam einen Weg, sie akzeptieren auch, wenn der Trauernde einfach alleine sein will. Ich denke für viele Männer hat der Begriff "Empathie" (Einfühlungsvermögen) eine ganz andere Bedeutung: Viele Männer fühlen sich verstanden, wenn sie das, was sie belastet einfach mal in wenigen Worten sagen können, aber nicht darüber detailliert sprechen müssen und auch die Erwartung nicht besteht dass sie darüber detailliert sprechen. Ich denke, Seelenstriptease ist kein urmännliches Verlangen. Gespräche über männliche Emotionen sind sehr oft Kurzgespräche. Männer zollen einander viel Anerkennung. Das Urteil: "Das hast du nicht schlecht gemacht" Meint eigentlich - natürlich stark vom Kontext abhängig: das hast du sehr gut gemacht. Wenn unter Männern kein Lob und keine Anerkennung kommt, ist alles in bester Ordnung, was ja an sich ein Kompliment ist. Viele Männer zeigen ihre Gefühlsschwankungen, die sie haben, nicht so offen. Viele haben sich eine Strategie zurecht gelegt, ausgeglichen zu wirken. Frauen sind da offener, viele zeigen ihre Gefühle offener. Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass Frauen insgesamt emotionaler sind als Männer, die männliche Emotionalität drückt sich bloss anders aus. Pachmann (S. 178) schreibt, männliche Themen seien vorwiegend handfester Natur: Aggression, Politik, Geld, Handwerk, Sexualität. Letzteres wird, obwohl in der Gesellschaft immer breiter diskutiert, gerade in religiösen Kreisen immer mehr auch tabuisiert.
Ich habe dank dieser electro-pastoren- Erfahrung viele Impulse zur Arbeit mit Männern erhalten. Ich muss diese nun gut bedenken und überlegen, was das für das kirchliche Leben bedeuten mag.
Montag, 23. November 2015
Mike Shiva des Einlegens - über die Gabe der Prophetie
Das Verlangen in die Zukunft zu schauen, ist zutiefst im Menschen angelegt. In der Bibel sind es die Propheten, die mehr oder weniger erfolgreich versucht haben, die Menschen wach zurütteln und zur Umkehr zu bewegen. Oder es ist Lot, der direkt von Gott gewarnt wird vor der Zerstörung Sodoms und Gomorras mit Gott verhandelt, damit er die Städte nicht zerstöre. Oder auch Mose, dem Gott im brennenden Dornbusch begegnet und ihm sagt: "Ich bin der, der ich sein werde." Prophetischer geht es fast nicht mehr, denn bei Gott ist alles offen. Und natürlich die drei Boten, die Abraham bei der Terebinthe von Mamre begegnen und ihm prophezeien Sarah werde schwanger, der Anfang getrennter Kulturen, getrennter Religionen Islam, Judentum, Christentum. Kurz Prophetie ist eine bedeutende Begabung, über die in der Bibel immer und immer wieder berichtet wird.
Aber auch im Alltag eines electro-pastors ist Prophetie an der Tagesordnung:
Auf diesem Bild ist zu sehen, wie wir heute, das heisst, wie meine Kollegen heute, mit den Multimediarohren einen grossen Bogen um die Aussparungen gemacht haben. (Ich selber habe in einer anderen Ecke der Decke gearbeitet) Es könnten ja noch im Bereich der Aussparungen Kernbohrungen gemacht werden und wir wollen nicht dass, unsere Rohre wieder durchtrennt werden, so das prophetische Denken meiner Kollegen. Oder wie man so schön sagt: "In weiser Voraussicht" haben meine Kollegen einen grossen Bogen um die Aussparungen gemacht, damit die Rohre nicht von Kernbohrungen durchtrennt werden. Um zu wissen, dass es auf unserer Baustelle immer und immer wieder überall Kernbohrungen kommt, muss man kein Prophet sein, das lehrt die Erfahrungen. Aber ist nicht genau das Prophetie: Den eigenen Erfahrungsschatz auf die mögliche Entwicklung der Zukunft anzuwenden? Vielleicht hat Prophetie auch etwas damit zu tun das Gelernte im richtigen Moment am richtigen Ort anzuwenden. Doch leider machen wir auch immer wieder die umgekehrte Erfahrung: Trotz aller Voraussicht, trotz aller Erfahrung kommt es genau so, wie man es nicht wollte:
Sie sehen hier eine Kernbohrung auf dem Dach des C-Blockes, genau an der Stelle über die ich am 28. Oktober berichtet habe. Auch damals haben wir in weiser Voraussicht die Rohre weiträumig um die Aussparungen herum geführt und was ist geschehen? Verbohrt durch eine Kernbohrung. Unsere Prophetie damals lag falsch, die weise Voraussicht war für die Katz. Halt! Nein! Hätten wir nicht aufgepasst, wären vermutlich noch viel mehr Rohre verbohrt worden, so sind es nur einige wenige. Die Propheten in der Bibel haben es erfahren, auch die Propheten anderer Religionen haben das erlebt, die Prophetie ist immer eine menschliche Gabe und muss deshalb lückenhaft und mit Fehlern behaftet sein. Wir können uns noch so vorsehen, können noch so unsere Erfahrung in den Dienst der Voraussicht stellen, wir werden trotzdem immer und immer wieder die Erfahrung machen die Mose beim brennenden Dornbusch gemacht hat, Gott wird der sein, der er sein wird, und wir haben uns zu arrangieren.
Aber auch im Alltag eines electro-pastors ist Prophetie an der Tagesordnung:
Sie sehen hier eine Kernbohrung auf dem Dach des C-Blockes, genau an der Stelle über die ich am 28. Oktober berichtet habe. Auch damals haben wir in weiser Voraussicht die Rohre weiträumig um die Aussparungen herum geführt und was ist geschehen? Verbohrt durch eine Kernbohrung. Unsere Prophetie damals lag falsch, die weise Voraussicht war für die Katz. Halt! Nein! Hätten wir nicht aufgepasst, wären vermutlich noch viel mehr Rohre verbohrt worden, so sind es nur einige wenige. Die Propheten in der Bibel haben es erfahren, auch die Propheten anderer Religionen haben das erlebt, die Prophetie ist immer eine menschliche Gabe und muss deshalb lückenhaft und mit Fehlern behaftet sein. Wir können uns noch so vorsehen, können noch so unsere Erfahrung in den Dienst der Voraussicht stellen, wir werden trotzdem immer und immer wieder die Erfahrung machen die Mose beim brennenden Dornbusch gemacht hat, Gott wird der sein, der er sein wird, und wir haben uns zu arrangieren.
Freitag, 20. November 2015
Was bleibt? Eine Hand voll Staub - oder ein Häufchen Rohrabschnitte.
Schon wieder Freitag, "Wogge vergangen wie raugen a Baggali Zigarette", wie immer halt. Was habe ich alles gemacht in dieser Woche? Um das zu erfahren, brauche ich nur durch die Baustelle zu gehen.
Ich habe viele, viele, dieser Kunstwerke geschaffen. X von diesen Dosen habe ich installiert, die Rohre verlängert, z.T. Schnur eingezogen, Tag für Tag. Dann haben wir noch RWA-Kabel eingezogen, ein Kapitel, über das wir hier lieber nicht ausführlicher werden wollen. Was sichtbar bleibt ist das Werk meiner Hände, das Werk unserer Hände (die RWA-Kabel sieht man nicht, ist auch besser so). Ich habe mir für diese Woche vorgenommen, die hinterste Wohnung im B-Block auf der 2. Etage fertig zu machen. Weil ich aber Ende letzter Woche die letzte Steckdose in der ersten Wohnung des B-Blockes auf der 3. Etage nicht geschafft habe, bin ich jetzt im Verzug, weshalb ich die letzte Steckdose in der 2. Etage in der letzten Wohnung nicht mehr geschafft habe, was ich mir ganz fest vorgenommen habe.
Mein Rückstand hat sich also durch all die Tage hindurch perpetuiert. Ich habe nicht erreicht, was ich wollte, auf einmal war Freitag, 15.30 Uhr, Zeit aufzuräumen, Feierabend.
Ich habe viele, viele, dieser Kunstwerke geschaffen. X von diesen Dosen habe ich installiert, die Rohre verlängert, z.T. Schnur eingezogen, Tag für Tag. Dann haben wir noch RWA-Kabel eingezogen, ein Kapitel, über das wir hier lieber nicht ausführlicher werden wollen. Was sichtbar bleibt ist das Werk meiner Hände, das Werk unserer Hände (die RWA-Kabel sieht man nicht, ist auch besser so). Ich habe mir für diese Woche vorgenommen, die hinterste Wohnung im B-Block auf der 2. Etage fertig zu machen. Weil ich aber Ende letzter Woche die letzte Steckdose in der ersten Wohnung des B-Blockes auf der 3. Etage nicht geschafft habe, bin ich jetzt im Verzug, weshalb ich die letzte Steckdose in der 2. Etage in der letzten Wohnung nicht mehr geschafft habe, was ich mir ganz fest vorgenommen habe.
Mein Rückstand hat sich also durch all die Tage hindurch perpetuiert. Ich habe nicht erreicht, was ich wollte, auf einmal war Freitag, 15.30 Uhr, Zeit aufzuräumen, Feierabend.
Läuft es nicht oft auch im realen Leben so? Man nimmt sich viel, vielleicht zu viel vor, die Zeit rennt, galoppiert, schiebt das, was man erreichen wollte, wofür man sich besonders Zeit nehmen wollte vor sich her und dann ist es auf einmal Freitag, 15.30 Uhr, Feierabend, Schluss, Ende, Aus Amen. Zeit nach Hause zu gehen, ohne dass man das erledigt hätte, was man immer erledigen wollte. Meine Rohre kann ich am Montag immer noch verlängern, kein Problem, aber im realen Leben gibt es leider all zu oft keinen Montag um Verpasstes nachzuholen. Was dann bleibt ist folgendes:
Die Überresten einer Woche. Die Überresten eines Lebens. Physisch ist das nicht viel, eine Hand voll Staub, mehr nicht, was nach Feierabend zurück bleibt. Umso wichtiger, dass wir uns immer und immer wieder neu überlegen, was wir eigentlich genau im Leben wollen. Was wir auf dieser Baustelle "Welt" zurücklassen wollen an Spuren und Eindrücken, denn was physisch von uns übrig bleibt ist wirklich nicht viel.
Ein stürmisches, regnerisches Wochenende liegt vor uns. Vielleicht eine gute Gelegenheit, zu sinnieren, was wir in unserem Leben noch machen, tun, bewegen wollen.
Na dann sinniert mal schön, ich für meinen Teil mache Feierabend. Wir electro-pastoren uns am Montag wieder.
Euer electro-pastor
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